Arbeiten in Skandinavien

Finnische Kultur

Finnische Mentalität

Gemeinhin gelten die Finnen als ruhig und wortkarg. Der Begriff Smalltalk existiert in ihrem Wortschatz so gut wie gar nicht und Gespräche, die größtenteils aus vielsagendem Schweigen bestehen, sind üblich. Der Grund dafür ist, neben dem ausgesprochen hohen Schwierigkeitsgrad der Sprache, welche die Finne selber wahrscheinlich nicht ganz durchschauen, dass den Finnen das gesprochene Wort als bindend gilt. Lockere mündliche Absprachen, die für uns eine mögliche, aber unwahrscheinliche Zutreffenswahrscheinlichkeit haben, werden von den Finnen sehr ernst genommen. Deswegen werden auch nur thematisch relevante oder zielgerichtete Konversationen geführt. Wenn der Finne hingegen zum Handy greift, sind alle Gerüchte von ‚Wortkargheit’ schnell vergessen. Es scheint fast, als ob das telefonische Gespräch persönliche Kommunikation komplett kompensiert.

Ausländern treten die Finnen wenn schon nicht mit Redeschwällen, immerhin mit Freundlichkeit entgegen. Weltoffen wie die Finnen sind, können Fremde ihnen kaum ’auf den Schlips treten’, solange die eigenen Höflichkeitsregeln beibehalten werden, zumal sich die zwischenmenschlichen Bräuche der Finnen nicht sehr von den allgemein gegebenen europäischen Verhaltensstandards unterscheiden.

Einzig der Nationalstolz der Finnen sollte nicht unterschätzt werden. Abfällige Bemerkungen über die Nationalhelden aus Musik, Sport und Film können schnell zum Streit führen. Ein wohlwollender Kommentar zu dem überragenden zweifachen Weltmeister Mika Häkkinen hingegen öffnet ihre Herzen.

Im Umgang mit Finnen sollte es nicht überbewertet werden, wenn sie ein wenig unhöflich erscheinen. Wird uns Deutschen nachgesagt ziemlich direkt zu sein, so kann man sich dessen bei den Finnen sicher sein. Mangels der Gebräuchlichkeit jeglicher Umgangsfloskeln ist der brüske Sprachgebrauch jedoch nicht als Beleidigung gedacht. Es ist einfach nicht üblich an jeden zweiten Satz ein ‚bitte’ anzuhängen. Ein ‚danke’ ist da schon üblicher.

Und was den Deutschen freuen wird: Auch die Finnen sind immer sehr pünktlich.

Volkssport Saunieren

Neben der Formel 1, in der Kimi Räikkönen den oben genannten Weltmeister vorerst zumindest als finnischen Fahrer abgelöst hat, brillieren finnische Sportler, witterungsbedingt, vor allem in den Wintersportarten. Im Langlauf und Biathlon sind, ebenso wie im Bereich des Skispringens, finnische Namen an der Spitze der Tabellen. Im Eishockey liefern die Finnen sich alljährlich traditionelle, leidenschaftliche Kämpfe mit ihren skandinavischen Nachbarn Schweden und Norwegen.

Keine Sportart ist jedoch so finnisch, wie das Saunieren, auch erkennbar daran, dass Sauna das einzige weltweitbekannte finnische Wort ist. Dabei reden die Finnen weniger von einer Sportart, als von einer angeborenen Notwendigkeiten. In Finnland gibt es ungefähr 1,5 Millionen Saunen, viele Finnen haben in ihrem Sommerhäuschen ‚draußen am See’ eine eigene Sauna, und sogar die Armee führt immer eine Sauna für ihre Soldaten mit. Der Saunagang ist in Finnland ein geselliges Ereignis, wie ein Fernsehabend, oder das gemeinsame Kochen. Gute Bekannte werden gerne zu einem Saunaabend eingeladen, und Fremde ebenso gerne in die Kultur des Saunierens eingeführt. Eine solche Einladung ist ein Zeichen höchster Wertschätzung des Gastgebers. Da ein Ausschlagen des Angebots ohne den Gastgeber zu kränken unmöglich und die Erfahrung des Kultes am eigenen Leib ein Erlebnis ist, sollte sich jeder, dem sich die Möglichkeit eröffnet, glücklich schätzen.

Musik aus Finnland

Die finnische Volksmusik hat eine lange Tradition und wird nach wie vor von allen Generationen gehört. Daneben ist die Jazz-Musik mit über 20 Festivals im Jahr ein wichtiger Teil der musikalischen Kultur. International bekannt ist finnische Rock und Pop-Musik durch teils melancholische, teils härtere Klänge von Bands wie HIM, Darude, Bomfunk MCs und The Rasmus. 2006 gewann die finnische Monster-Band Lordi mit dem Song ‚Hard Rock Hallelujah’ sogar den Eurovision Song Contest. Eine in Finnland eher von älteren Leuten bevorzugte, in Deutschland allerdings auch unter Jüngeren beliebte, Musikrichtung ist der Humppa, eine Variation des Foxtrotts. Spezialisiert auf diese Art von Musik hat sich die Band Eläkeläiset (‚die Rentner’), die vor allem bekannte Lieder in den Humppa-Rhythmus umschreiben und mit finnischen Texten hinterlegen.