Arbeiten in Skandinavien

Bildungssystem

Das beste Bildungssystem der Welt ist das finnische. Das wissen wir seit der PISA-Studie. Ein genauerer Blick darauf lohnt sich also. Wenn es in Deutschland heute heißt, wir müssten Konzepte und Ideen aus Finnland übernehmen um die schulische Ausbildung zu verbessern, wird dabei vergessen, dass auch die Finnen ein Vorbild für ihr Bildungssystem hatten: die Ausbildung in der DDR.

Die gleiche Behandlung und Förderung aller Schüler, unabhängig von Wohnort, Einkommen der Eltern oder soziale Herkunft ist in Finnland nicht nur eine politische Parole, sondern wird auch umgesetzt. Die Ausbildung, die Lehrmaterialien, das Mittagessen, sowie ab einer bestimmten Anfahrtsdistanz auch diese, sind kostenlos für alle Schüler. Mehr als 7 % des Bruttoinlandsprodukt werden deshalb für die Bildung ausgegeben. Dabei gibt es keine eigentliche Schulpflicht. Viel mehr handelt es sich um eine Lernpflicht, die besagt, dass alle Kinder ein Lernpensum an Grundwissen absolvieren müssen. Dies kann in der Schule, aber auch auf andersartige Weise geschehen.

Seit 1888 gibt es in Finnland Kindergärten. Die Bereitstellung von ausreichend Plätzen zur frühkindlichen Betreuung ist Pflicht des Staates. Außerdem gibt es eine freiwillige Vorschule ab dem 6. Lebensjahr, die von 97 % der Kinder besucht wird. Dabei werden bestimmte Themenbereiche abgearbeitet und auf die Grundschule vorbereitet. Die Vorschule dient auch zur Beobachtung der Kinder um mögliche Fähigkeiten oder Defizite frühzeitig zu erkennen und sie dementsprechend fördern zu können. Dabei stehen Vorschulen und Grundschulen in engem Dialog.

Die Schulen werden von den Direktoren individuell organisiert. Ferienzeiten, Lehrereinstellungen und Stundenplangestaltung können von Schule zu Schule variieren. Nur mindestens 190 Tage Unterricht sowie die Unterrichtsziele, einige lockere Vorgaben aus der Hauptstadt, müssen eingehalten werden.

In den Schulen kümmern sich nicht nur Lehrer, sondern auch Psychologen, Sozialarbeiter und Ärzte um die Schüler. Vor allem in den ersten sechs Jahren werden fast alle Fächer von einer Klassenlehrerin betreut, so dass diese ihre Schüler gut kennen lernen kann. Dabei bleiben lernschwache Kinder in ihren Klassen und sollen so mitgezogen werden, sie können aber auch in Parallelklassen unterrichtet werden, die den gleichen Unterrichtsstoff wie die anderen Klassen, nur etwas langsamer, also in elf statt neun Jahren lernen. Dabei sind die Klassen klein genug, damit sich die Lehrer auf alle Schüler konzentrieren können. Dass man in den Schulen nur in Socken herumläuft, macht sie auch gleich ein wenig wohnlicher.

Nach neun Jahren auf der Gesamtschule wechseln die Schüler auf das Gymnasium oder auf eine berufsbildende Schule. Die Gymnasien, die von 55 % der Schüler besucht werden, sind ähnlich wie in Deutschland in einem Kurssystem organisiert, enden jedoch mit zentral gestellten Abiturprüfungen. Die gymnasiale Oberstufe kann auch noch im Erwachsenenalter belegt werden.

Sowohl das Abitur als auch eine erfolgreiche Berufsausbildung befähigen zur Aufnahme eines Hochschulstudiums.